Jammeranten II

Beim Blutspenden und eigentlich überall gibt es Menschen, die, wenn sie bei Debreziner und Frankfurter auf jemand treffen, der Ihnen auch nur das kleinste Bröckerl Aufmerksamkeit entgegenbringt, diesem jemand entweder ihre Lebensgeschichte erzählen oder und, und insbesondere gegen Ende des Frankfurters oder Debreciners sich bei dem jemand beschweren.

Einer dieser Menschen war ein älterer Herr, der jemand war ich.

Es begann ganz harmlos. Er rief irgendwem hinterher und erwähnte dann, scheinbar beiläufig, mir gegenüber:

„Den kenn i nämlich, des is a ehemaliger Schüler von mir. Ich war nämlich Lehrer. An alle erinner ich mich nicht, aber an ihn schon, weil…“

Und dann meine blöde Empathie:

„Naja, man kann sich ja unmöglich alle merken oder, bei so vielen Gesichtern?“„Naja, die Gesichtszüge bleiben ja gleich.“

Spannend, wie Kommunikation so fehlschlagen kann. Ich meinte es sei schwierig sich aufgrund der hohen Anzahl an Schülern alle Gesichter zu merken und er nahm Bezug darauf, dass es grundsätzlich möglich ist Gesichter nach längerer Zeit wiederzuerkennen. Eine Tatsache, die in meiner Aussage doch in kleinster weise als nicht gegeben dargestellt, ja nicht mal ansatzweise gestreift wurde. Es sollte sich herausstellen, dass es vermutlich das Dulden dieses Überhauptnichtzuhörens war, das eine Welle an mangelndem Respekt in Gang setzte, die später nicht mehr aufzuhalten war.

So war es auch das letzte was ich die nächsten 10 min sagen würde, denn nun kam eine Anekdote über eine schlechte Schülerin, die ihren Weg gemacht hatte (sie wurde auch Lehrerin).

Jemand hörte zu, nickte, lächelte am Ende der Geschichte. Ein Rätsel warum diese positive versation (Konversation war es ja keine) jäh ins negative Gejammere kippte, immer tiefer sank und schließlich auf Kronenzeitungniveau talte (gipfelte wäre, wieder muss ich das sagen, das falsche Wort).

„Früher war man als Lehrer ja no angesehen, wenn da einer heimkommen is und gesagt hat „der Lehrer hat mit mir geschimpft“ haben die Eltern gsagt: „was hastn angstellt?“ Heute hab ich eine Schülerin einer Kollegin mit ihrer Mutter (zu spät) kommen hören und die Mutter sagte „no, wo iss‘n, die Deppate?“

Die Stimme wurde immer aufgeregter und aufgeregter, der Handlungsstrang immer schwerer nachzuvollziehen bis:

„So wie die Polizisten, die angeklagt werden, weil sie sich gegen Demonstranten oder Hooligans gewehrt haben – na wos sollens denn machen???!!“ (über die Polizisten, die Demonstranten zusammengeschlagen hatten und nun angeklagt wurden).

Tada! Detonation. Krachbumm, irgendein Halbwissen aus propagandistischen Tageszeitungen kommt da daher, eine Meinung, irgendwo aufgeschnappt und völlig unreflektiert wiedergegeben, ein Tiefpunkt uva eine kommunikative Sackgasse sondergleichens. Denn

  1. was will damit gesagt werden? – keine verdammte Ahnung. Vermutlich einfach nur Ballast, der rausmusste. Ich wünschte ich hätte gesagt „Jetzt Schulden sie mir aber mindestens 10 Euro, weil wie komm ich dazu, dass Sie sich bei mir ausschleimen, dafür gibts Profis und die verlangen mindestens 100.- die Stunde, und das zurecht.“
  1. Was soll man darauf antworten? – auch keine verdammte Ahnung! Nix!

Fazit

Wenn man etwas gesagt bekommt, womit nichts gesagt werden will (sondern nur Schleim abgelassen wird) gibt es nichts, was man darauf sagen kann außer“Auf Wiedersehen ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag.“ Ebenso wenn man sich während einer Konversation einfach nur denkt: „Häh??? Das is ja überhauptnicht der Punkt.“

Und

Menschen die nicht zuhören können sind es nicht wert gehört zu werden.